SPD und Union planen die Abschaffung des IFG

Der Koalitionsvertrag zwischen SPD und Union war klar: mehr Transparenz, mehr öffentliche Kontrolle. „Wir wollen das Informationsfreiheitsgesetz in seiner jetzigen Form mit Mehrwert für Bürger und Verwaltung reformieren“, einigte sich die Koalition 2025. Von Mehrwerten wollen die Parteichefs allerdings nichts mehr wissen.

Im Gegenteil: SPD und Union planen einen massiven Bruch des Koalitionsvertrags – und den größten Angriff auf die Regierungstransparenz in der Geschichte der Bundesrepublik. Heute hat der Koalitionsausschuss beschlossen: Das seit 20 Jahren geltende Informationsfreiheitsgesetz (IFG) soll de facto abgeschafft werden. Das IFG ermöglicht derzeit jedem, Einblick in Regierungsdokumente zu erhalten und so das Handeln von Behörden und der Regierung zu kontrollieren.

Die zentralen Punkte, die SPD, CDU und CSU ändern wollen:

  • Bisher mussten Sie keinen Grund für Ihre Anfrage angeben. Doch künftig sollen Anfragen nur noch bei „berechtigtem Interesse“ möglich sein. Demnach müssten Sie bei jeder Anfrage nachweisen, dass Ihnen ein besonderes Recht auf die Auskunft zusteht. Damit wären fast alle Anfragen nicht mehr möglich – Das IFG würde de facto abgeschafft.
  • Organisationen wie FragDenStaat, Deutsche Umwelthilfe und Amnesty International sollten keine Anfragen mehr stellen dürfen. Juristischen Personen ist die Befragung untersagt; Lediglich Privatpersonen sollen im Einzelfall fragen dürfen. Pressevertreter dürfen offenbar keine IFG-Anfragen mehr stellen.
  • Millionen Menschen in Deutschland dürfen keine IFG-Anfragen mehr stellen. Nur wer die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt oder EU-Bürger ist, soll im Einzelfall Auskunft verlangen dürfen. Dazu müsste bei jedem Antrag auch die Staatsbürgerschaft nachgewiesen werden.
  • Die angeforderten Informationen sollten künftig Folgendes umfassen: Die Namen aller Regierungsmitarbeiter sind geschwärzt – auch von Führungskräften und prominenten Entscheidungsträgern. Dies würde bedeuten, dass nicht mehr überprüft werden könnte, wer für behördliche Entscheidungen verantwortlich ist. Dies birgt ein enormes Korruptionsrisiko.
  • IFG-Anfragen sollten wird künftig Zehntausende Euro kosten dürfen. Bisher waren die Gebühren auf eine Obergrenze von 500 Euro begrenzt. Die bloße Ankündigung, dass möglicherweise Gebühren anfallen, hat eine so abschreckende Wirkung, dass Anfragen daraufhin zurückgezogen werden.
  • Die derzeit 30 Ausnahmefälle, unter denen Behörden die Auskunft verweigern dürfen, sollten einbezogen werden weitere Ausnahmen für Anfragen hinzugefügt werden. Dies soll es den Behörden noch einfacher machen, Anträge abzulehnen. Vorbild dafür: die faktische Abschaffung des IFG in Berlin.

Erst Amthor, jetzt Spahn

Dem Koalitionsausschuss gehören neben SPD-Vizekanzler Lars Klingbeil und Arbeitsministerin Bärbel Bas auch Bundeskanzler Friedrich Merz, CSU-Chef Markus Söder und Bundesinnenminister Alexander Dobrindt an. Eine zentrale Figur im Gremium: CDU-Fraktionschef Jens Spahn. Seine Karriere wurde in den letzten Jahren mehrfach vom IFG bedroht. So gelangten im Zuge der Maskenaffäre zahlreiche interne E-Mails an die Öffentlichkeit, die Spahns Versäumnisse dokumentierten. Auch Spahns Verbindungen zum Tech-Faschisten Peter Thiel und dessen fragwürdiger Villenkauf während der Corona-Pandemie standen im Fokus der Öffentlichkeit.

Allein in den vergangenen Monaten deckte FragDenStaat über das IFG Dokumente über die Vetternwirtschaft von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche mit milliardenschweren Unternehmen auf, deckte auf, wie der Verfassungsschutz gegen die Zivilgesellschaft ermittelte, und berichtete über die fragwürdige Finanzierung eines CDU-Politikers. Auch zu illegalen Förderstopps des Bundesinnenministeriums, illegalen Grenzkontrollen und CDU-Förderskandalen wird recherchiert. Aufgrund von Skandalen durch das IFG mussten in der Vergangenheit unter anderem SPD-Ministerin Franziska Giffey und ein Staatssekretär im Bildungsministerium zurücktreten.

Auch CDU-Politiker Philipp Amthor musste wegen des IFG einen Karriereeinbruch hinnehmen. Bereits vor einem Jahr hatte Amthor in den Koalitionsverhandlungen versucht, die Abschaffung des IFG durchzusetzen. Doch nach einer zivilgesellschaftlichen Kampagne mit 400.000 Unterschriften lenkte er ein. Jetzt kommt es erneut zum Angriff auf die IFG – nun allerdings gemeinsam von Union und SPD.

Die Abschaffung des IFG muss gestoppt werden

Sollten die beiden Parteien ihr Ziel erreichen, würden künftig unzählige Skandale nicht mehr aufgedeckt. Die Regierung und mögliche zukünftige Regierungen mit AfD-Beteiligung könnten ihren Abbau der Bürgerrechte mit weniger öffentlicher Kontrolle vorantreiben. Gleichzeitig würde die Korruptionsgefahr massiv steigen.

Bisher wurden über FragDenStaat rund 330.000 IFG-Anfragen von mehr als 100.000 Personen gestellt. Dieses Recht auf Informationsfreiheit will die Regierung nun abschaffen. Der Angriff auf das IFG und jede Reform müssen jetzt gestoppt werden. Das IFG darf nicht berührt werden!

Das Bundesinnenministerium von Alexander Dobrindt wird in den kommenden Monaten einen Gesetzentwurf verfassen, der nach Beteiligung der anderen Ministerien von der Bundesregierung verabschiedet wird. Ende des Jahres sollen die Fraktionen von SPD und Union im Bundestag die Abschaffung des IFG beschließen. Um dies zu verhindern, sollten daher insbesondere SPD-Abgeordnete persönlich angesprochen werden.

Unterstützen Sie uns dabei! Schreiben Sie jetzt an die SPD-Bundestagsabgeordneten und machen Sie ihnen klar, dass eine Abschaffung des IFG nicht in Frage kommt!

Die SPD-Abgeordneten im Innenausschuss:

Textvorschlag für E-Mail an Abgeordnete

Liebling [Name des MdB einfügen]

Ich bin sehr besorgt über die Pläne des Koalitionsausschusses, das Informationsfreiheitsgesetz de facto abzuschaffen. Das IFG ermöglicht derzeit jedem, Einblick in Regierungsdokumente zu erhalten und so das Handeln von Behörden und der Regierung zu kontrollieren.

Im Koalitionsvertrag haben Sie und die Union beschlossen, das IFG im Interesse der Bürger zu reformieren. Die aktuelle Entscheidung des Koalitionsausschusses ist genau das Gegenteil: SPD und Union planen einen massiven Bruch des Koalitionsvertrags – und den größten Angriff auf die Regierungstransparenz in der Geschichte der Bundesrepublik. Die vorgeschlagenen Änderungen würden faktisch ein Ende der Informationsfreiheit in Deutschland bedeuten.

Anfragen wären nur nach Nachweis eines „berechtigten Interesses“ möglich – und daher fast nie. Zudem könnten Anfragen künftig Zehntausende Euro kosten. Zivilgesellschaftliche Organisationen oder Pressevertreter dürfen offenbar keine Anfragen mehr stellen.

Das IFG hat sich in den letzten 20 Jahren bewährt. Eine Berührung würde zu einem enormen Vertrauensverlust in die aktuelle Regierung führen.

Jetzt liegt es an Ihnen, diese Pläne zu stoppen. Als Mitglieder des Innenausschusses müssen Sie die IFG und unser gesamtes Recht auf Informationsfreiheit gegen diesen Frontalangriff verteidigen.

Beste grüße,

[Name Absender*in ]

Sie können die SPD-Bundestagsabgeordneten auch öffentlich fragen, ob sie einer Abschaffung des IFG zustimmen. Über die Parlamentsuhr können Sie jedem Abgeordneten direkt eine Frage stellen: Die Frage und die Antwort sind für alle öffentlich sichtbar und bleiben dauerhaft dokumentiert. Auch wenn Sie nicht antworten, tun Sie dies öffentlich. Hier können Sie direkt zu den SPD-Vertretern im Innenausschuss gelangen und nach den Vertretern in Ihrem Wahlkreis suchen.

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