Angriffe auf die Zivilgesellschaft: Bundesregierung schwächt Demokratiearbeit

Bundesfamilienministerin Karin Prien will rund 200 Projekte aus dem Bundesprogramm „Demokratie leben!“ nicht mehr fördern. Dazu gehören auch zahlreiche Projekte gegen Rassismus, Antisemitismus und rechtsextreme Gewalt.

Besonders Rechtsextremisten ist das Förderprogramm seit Jahren ein Dorn im Auge. Auch über die parlamentarische Arbeit mobilisiert die AfD gegen geförderte Projekte. Das zeigt eine Auswertung kleiner Anfragen von FragDenStaat. Unter der aktuellen Bundesregierung scheint die Strategie der Rechtsextremisten nun aufzugehen.

Jahrelanger Druck auf Demokratieprojekte

Das Förderprogramm „Demokratie leben!“ gibt es seit 2015, durch das zivilgesellschaftliche Demokratieprojekte in ihrer Arbeit finanziell unterstützt werden. Das Programm entstand als Reaktion auf die Erkenntnis, dass die Politik nach der NSU-Mordserie mehr gegen den Rechtsextremismus in der Gesellschaft tun muss.

Aber „Demokratie leben!“ steht wie kein anderes Förderprogramm. seit Jahren unter Druck. Den geförderten Organisationen wird oft vorgeworfen, dass sie Steuergelder verschwenden, politisch nicht neutral sind oder Extremismus unterstützen. Das Muster, das insbesondere die extreme Rechte anwendet, ist immer ähnlich: Sie erheben einen Vorwurf, greifen zivilgesellschaftliche Organisationen und ihre Mitarbeiter namentlich an und am Ende wird ihre staatliche Finanzierung in Frage gestellt.

Ein besonders häufiger Ausgangspunkt für solche Negativkampagnen sind parlamentarische Anfragen. Abgeordnete fragen bei der Regierung schriftlich oder mündlich nach, ob bestimmte Demokratieprojekte staatliche Förderung erhalten und wie dies begründet werden kann – und erstellen dabei ganze Listen vermeintlich kritikwürdiger Projekte.

36 Anfragen in Landesparlamenten

Eine Auswertung von FragDenStaat zeigt, wie „gelebte Demokratie!“ Über die Jahre hinweg kam es zu gezieltem parlamentarischem Druck: Zwischen Januar 2020 und Februar 2026 wurden in den Landesparlamenten mindestens 36 schriftliche Anfragen eingereicht, die sich explizit mit „Demokratie leben!“ befassten. bewältigen.

Nicht alle Anfragen sind auch Kritik am Bundesprogramm. Doch ein Blick auf die einzelnen Fragen zeigt, wie mit der parlamentarischen Anfrage politische Stimmungen erzeugt werden. Insgesamt 26 dieser Anfragen zum Thema „Demokratie leben“ kommen von der AfD. Sieben Anfragen wurden von CDU-Abgeordneten gestellt.

Drucksache 21/949

Drucksache 21/949

Aus der Kleinen Anfrage der AfD vom 22.07.2025

Noch deutlicher wird diese Strategie im Bundestag. Allein in der aktuellen Legislaturperiode – also in weniger als einem Jahr – haben AfD-Abgeordnete 13 Anfragen unter der Überschrift „Bundesprogramm für gelebte Demokratie!“ gestellt. finden lassen.

Doch Angriffe auf die Zivilgesellschaft kommen nicht mehr nur von der AfD. Im Februar 2025 stellte die Union der damaligen Bundesregierung 551 Fragen zur „politischen Neutralität staatlich finanzierter Organisationen“ im Bundestag. Darin bezweifelte sie, dass die Arbeit und Aktivitäten der Organisationen im Einklang mit der finanziellen Unterstützung von „Living Democracy!“ standen. gebracht werden. Einigen der damals genannten Organisationen wird nun die Finanzierung gekürzt. Wenn Familienministerin Karin Prien nun ankündigt, die Mittel für zahlreiche Projekte zu kürzen, kommt das nicht von ungefähr. Es ist das Ergebnis einer seit Jahren laufenden Kampagne gegen die Demokratiearbeit in Deutschland.

FragDenState unterstützt die Betroffenen

Sollte der Angriff auf „Democracy Live!“ Weiterhin würde die Bundesregierung das demokratische Grundgefüge schwächen und eine Strategie der AfD umsetzen. In einer solchen Situation ist mehr Unterstützung für Organisationen, Vereine und Projekte erforderlich, die angegriffen werden.

FragDenState überwacht Anfragen in Landesparlamenten und im Bundestag und unterstützt demokratische Organisationen, die von den Löschungen betroffen sind. Wer aufgrund parlamentarischer Anfragen unter Druck gerät, kann sich direkt an FragDenStaat oder den Rechtsschutz wenden.

→ Hier finden Sie eine Übersicht aller Anfragen zum Thema „Demokratie leben!“

→ Zur Broschüre zum Umgang mit Angriffen aus dem parlamentarischen Bereich

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