Wir haben verloren. Und in gewisser Weise sind das gute Nachrichten. Denn jetzt können wir so tun, als hätten wir nichts mehr zu verlieren. Lange gehegte Gewissheiten wurden in den letzten Jahren innerhalb kürzester Zeit zerstört. Frieden, ein stabiles Klima und Demokratie sind keine Selbstverständlichkeiten mehr.
Und es zeigt sich, dass Regierungsparteien, die AfD-Forderungen umsetzen, derzeit viel gefährlicher sind als eine AfD in der Opposition. Ob menschenunwürdige Abschiebungen an Terrorregime wie die Taliban, europarechtswidrige Zurückweisungen an den deutschen Grenzen, rückwärtsgewandte Wirtschaftspolitik oder der fossile Klimarollback in der Bundesregierung – die Rechtsextremisten können mit Vergnügen zusehen, wie ihre Agenda die Bundespolitik bestimmt. Nicht nur Deutschland, sondern auch andere Länder befinden sich in einer Phase des autoritären Wandels.
Alle Versuche, den Parteien der Mitte klar zu machen, dass eine Annäherung an Rechtsextremisten nur Rechtsextremisten nützt, scheinen wirkungslos. Unzählige wissenschaftliche Studien und Beispiele aus dem In- und Ausland belegen, dass gegen die extreme Rechte nur ein klarer Vorsprung helfen kann. Sie zu kopieren, spielt ihr nur in die Hände. Wenn rechtsextreme Positionen von etablierten Parteien übernommen werden, ist der Widerstand dagegen deutlich geringer, als wenn sie von ganz rechts kommen.
Schon in den internen Strategiepapieren der Rechtsextremisten wird der wirksamste Hebel gegen sie deutlich: ein Parteienverbot. Doch in diesem Zusammenhang scheinen insbesondere die Union und die SPD beratungsresistent zu sein.
Stattdessen wird die Firewall in Frage gestellt. Die AfD ist mit Abstand der größte Bezugspunkt für andere Parteien. Sie erarbeiten es, anstatt eigene Themen zu setzen. Keine andere Partei wird von ihren Wettbewerbern häufiger angesprochen. Sie geben die Themen vor, alle anderen verhalten sich entsprechend. Dies führt zwangsläufig zu einer Verschiebung nach rechts.
Kein Fragen und Betteln mehr
Und auch die immer verzweifelter werdenden Appelle der Zivilgesellschaft, große Medien davon abzuhalten, ihre Sendezeit in gemütlichen Sommerinterviews mit den Rechtsextremisten zu verschwenden, scheinen zum Scheitern verurteilt. Die Partei wird vom Verfassungsschutz sogar als rechtsextremistisch eingestuft? Millionen Menschen demonstrieren gegen Rechtsextremismus? Wir befragen nicht Gewaltbetroffene oder Demokratieaktivisten, sondern die AfD selbst, weiter unten in der Sendung.
All dies zeigt: Es ist nicht unzureichendes Wissen, das zum Scheitern der Demokratie führt. Es fehlt einfach der Wille, sich den Rechtsextremisten in den Weg zu stellen. Und ein Mangel an Vision.
Deshalb müssen wir den Kurs ändern: Nicht mehr nur reagieren, sondern handeln. Von der Verteidigung bis zur Offensive. Hören Sie auf zu fragen und zu betteln, entwickeln Sie eigene Konzepte und bauen Sie Druck auf. Stellen Sie klare Forderungen. Stärken Sie Ihre eigene Blase und machen Sie sie zu einem Bezugspunkt. Stellen Sie nicht die Sorgen und Ängste der Täter in den Mittelpunkt, sondern die Sorgen und Ängste der Betroffenen. Zeigen Sie Alternativen auf und bringen Sie die Gesellschaft dazu, sich auf eine fortschrittliche Agenda einzulassen. Befreien Sie das Zentrum von seinem sehnsüchtigen Blick nach rechts und konfrontieren Sie es mit anderen Realitäten. Anstatt Angst vor Veränderungen zu haben, wecken Sie den Wunsch nach Veränderung. Gegenmacht statt Ohnmacht aufbauen.
Im neuen Buch „Counterpower: Civil Society Strikes Back“ geht es genau darum: wie wir diese Gegenmacht aufbauen. Zentral dabei ist, dass wir selbst glauben, dass ein solches Szenario möglich ist. Denn wir können nur das umsetzen, was wir uns vorstellen können.
Organisieren, Beschweren und Humor
Um zu zeigen, wie das funktionieren kann, werde ich konkrete Hebel für die wirksame Macht der Vielen hervorheben. Es geht um strukturelle Instrumente wie strategische Rechtsstreitigkeiten, Organisierung, Volksabstimmungen, solidarische Fürsorgearbeit, gerechte Verwaltung und die Demokratisierung der Wirtschaft. Es geht aber auch um Vertrauen, neue Räume, Begeisterung, Glück und Humor.
Wir müssen das Rad nicht neu erfinden. Das Buch basiert auf jahrzehntelanger zivilgesellschaftlicher Arbeit und mehr als 60 Interviews mit Akteuren aus der Praxis. Wir schauen uns Strukturen an, die tatsächlich funktionieren und die notwendig sind, um gemeinsam zu kämpfen. Jedes Themenkapitel stellt konkrete Mittel zur Veränderung vor, stellt die Wirksamkeit verschiedener Bewegungen dar und bietet Werkzeuge und Ansatzpunkte für die Gegenoffensive.
Denn die demokratisch engagierte Zivilgesellschaft ist hierzulande enorm mächtig. Das hat sie im letzten Jahrzehnt immer wieder bewiesen. Es gibt eine klare Linie vom Migrationssommer 2015 über die Indivisible-Demonstrationen und die Klimagerechtigkeitsbewegung, über Black Lives Matter und Christopher Street Days bis hin zu den Demokratieprotesten.
Allein in Deutschland gibt es unzählige erfolgreiche und mitreißende Beispiele für Gegenmacht. Wir müssen diese Bewegungen nur annehmen, sie sichtbar machen, sie stärken und verbinden.
→ zum Buch „Gegenmacht: Zivilgesellschaft schlägt zurück“
→ zum Vortrag „On Counterpower“ auf der re:publica 2026
PakarPBN
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In a typical PBN setup, the owner acquires expired or aged domains that already have existing authority, backlinks, and history. These domains are rebuilt with new content and hosted separately, often using different IP addresses, hosting providers, themes, and ownership details to make them appear unrelated. Within the content published on these sites, links are strategically placed that point to the main website the owner wants to rank higher. By doing this, the owner attempts to pass link equity (also known as “link juice”) from the PBN sites to the target website.
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